Im Gegensatz zu Heinrich Lübke brachte seine Frau Wilhelmine (1885-1981; Heirat am 5.4.1929), geb. Keuthen
aus Ramsbeck (Sauerland) ein wenig Glanz in die Villa Hammerschmidt. Man nannte sie "bürgerliche
Hoheit" und sprach von der "Wilhelminischen Epoche". Während die Schlichtheit
ihres Mannes zur Erheiterung Anlass bot, erweckte Wilhelmine Lübke durch ihre Herzlichkeit
und Natürlichkeit häufig Sympathie.
Allerdings war es wohl nicht sehr angemessen, dass sich das Präsidentenehepaar auch bei
offiziellen Veranstaltungen mit "Heini" und "Minken" anredete. So
ermahnte der "Spiegel" (20.5.1964): "Irgendwer muß Frau Wilhelmine Lübke
auch sagen, daß sie auf Staatsbesuchen, ihren Mann nicht mit dem Ruf 'Heini, wir gehen
zu Bett' ins Quartier beordern kann."
Wilhelmine Lübke war neun Jahre älter als ihr Mann. Heinrich Lübke war bei Amtsantritt 64 Jahre alt,
seine Frau 73. Der Altersunterschied war für die damalige Zeit recht ungewöhnlich, so dass sich die Eheleute
gegenüber Außenstehenden auf die Sprachregelung geeinigt hatten, sie seien etwa gleichaltrig. Bei der Ausstellung
eines neuen Personalausweises war Wilhelmine 1947 versehentlich um zehn Jahre verjüngt worden. Die von dem
Bundespräsidenten veranlassten Bemühungen um die Verheimlichung dieses Umstands führten zu einer Serie
von Peinlichkeiten. (Neumann, S. 35)