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Heinrich Lübke, 70, Bundespräsident, der im Oktober 1963 nach dem Tode des Junggesellen Jean Cocteau
ein Kondolenzschreiben an die Witwe des Franzosen versandt und im Januar dieses Jahres dem 1961 verschiedenen Professor
Theodor Spira ein Glüchwunschtelegramm zum 80. Geburtstag geschickt hatte, telegraphierte an die Witwe des in der
Vorwoche verstorbenen Verleger der Dortmunder "Ruhr-Nachrichten", Lambert Lensing: "An Ihrem Schmerz
um den Tod Ihres verehrten Gatten nehme ich herzlichen Anteil." Wenige Stunden später ermittelte das
Bundespräsidialamt, daß die Adressatin, Louise Lensing, am 12. Januar 1956 verstorben ist.
(Der Spiegel, 5.5.1965)
Heinrich Lübke, 70, Bundespräsident, ließ sich auf dem Güterbahnhof des hannoverschen
Vororts Langenhagen – wo Lübke auf der Fahrt von einer Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen nach Berlin
aus einem Sonderzug stieg, um mit seinem Mercedes zum Flughafen Hannover-Langenhagen weiterzufahren – von zwei Bundesbahnbeamten
aus dem Eisenbahnwagon helfen. Lübke, dessen Zug auf die Abstellgleise geleitet worden war, weil ihm die Reiseführer den Anblick
des baufälligen Bahnhofs Langenhagen ersparen wollten, erkundigte sich beim Überqueren der Gleisanlagen bei seiner Begleitung, wo
das einheimische Empfangskomitee warte. Nachdem er erfahren hatte, daß kein Repräsentant der Gemeinde erschienen sei, schritt Lübke
auf ein zufällig am Bahndamm stehendes elfjähriges Mädchen zu und gab ihm die Hand. Der Päsident: "Na, siehst du,
nun treffe ich doch noch auf einen Vertreter von Langenhagen."
(Der Spiegel, 12.5.1965)
Heinrich Lübke, 68, Bundespräsident, der sich regelmäßig vom Inhaber des Bundeshaus-Frisiersalons,
Karl Werner, die Haare schneiden läßt, rügte den Haarformer wegen eines Interviews, das er der Kölner "Deutschen Zeitung"
gewährt hatte. Werner hatte ausgeplaudert, daß sich Lübke die Haare stets im Badezimmer der Villa Hammerschmidt scheren lasse, wobie der
Meister dem Präsidenten verraten müsse, "ob seine letzte Rede guten Anklang gefunden habe oder nicht".
(Der Spiegel, 17.7.1963)
Heinrich Lübke, 67, Bundespräsident, zeigte sich irritiert, als anläßlich eines Gala-Abends für den
Präsidenten von Madagaskar, Philibert Tsiranana, in der Bonner Beethovenhalle ein Würdenträger aus dem Gefolge des Gastes mit
einem leise spielenden Transistorradio den Konzertsaal betrat, wo das Städtische Orchester Bonn im Begriff stand, die Rheinische Symphonie
von Robert Schumann zu intonieren. Lübke: "Was ist das?"
(Der Spiegel, 5.9.1962)
Heinrich Lübke, 67, Bundespräsident, beantwortete die guten Wünsche, die Bundesfamilienminister
Wuermeling ihm vor seiner Abreise nach Wien aussprach ("Es wird dort wohl schönes Wetter sein und auch wärmer") mit den
Worten: "Wir gehöhren ja zu der Sorte, die sich gern warmarbeitet."
(Der Spiegel, 4.4.1962)
Heinrich Lübke, 68, Bundespräsident, gab einem Bonner Journalisten auf dessen Frage, warum sein Kopf nicht auf
westdeutschen Briefmarken erscheine, den Tip: "Da brauchen Sie mich nur anzusehen." Im übrigen wolle er nicht den in einigen Teilen
der Welt praktizierten Personenkult fördern.
(Der Spiegel, 11.4.1962)
Heinrich Lübke, 67, Bundespräsident, gewährte dem Thronfolger von Nepal, Birendra, zusätzliche
Protokollminuten, um ihn in die Bedienung eines Fernglases zu unterweisen, das Lübke dem Besucher zuvor überreicht hatte.
(Der Spiegel, 18.4.1962)
Heinrich Lübke, 67, Bundespräsident, rügte bei seinem Neujahrsempfang in der Villa Hammerschmidt die
"umständliche Grundsätzlichkeit" in der Glückwunschansprache des nordrhein-westfälischen Vertreters beim
Bund, Minister Artur Sträter, und sagte: "Lieber Landsmann, für einen Westfalen war das zuviel – in Ton und Länge!"
(Der Spiegel, 17.1.1962)
Heinrich Lübke, 67, Bundespräsident, blieb gelassen in seinem Mercedes sitzen, als auf der Fahrt von Bad Godesberg
nach Bonn einer der ihn eskortierenden Polizisten angefahren und bewußtlos ins Krankenhaus gebracht wurde. Lübke durchs Wagenfenster:
"Ist's schlimm?" (Der Spiegel, 13.12.1961)
Heinrich Lübke, 66, Bundespräsident, änderte sein Vortragsthema bei einem Besuch der Evangelischen Akademie
Tutzing eigenmächtig ab: Da ihm die rechte Zeit gefehlt hatte, das angekündigte Thema "Begegnungen der Konfessionen in der
Politik" vorzubereiten, sprach Lübke über "Begegnungen in der Politik".
(Der Spiegel, 26.7.1961)
Heinrich Lübke, 66, Bundespräsident, unterbrach während eines Essens in seinem Bonner Amtssitz, zu dem
er dreizehn Journalisten gelagen hatte, einen Pressegast am anderen Tischende, der ungeachtet Lübkescher Konversationsfreudigkeit mit einem
Tischnachbarn private Unterhaltung pflog. Lübke, mit dem Knöchel auf den Tisch pochend: "An diesem Tisch bitte nur ein
Gespräch." (Der Spiegel, 28.6.1961)
Heinrich Lübke, 66, wie Heuss Nichtjäger, aber Jagdveranstalter, erklärte zur Diplomatenjagd, man könne
nur erfolgreich jagen, wenn das Wild vorher gut gehegt und gepflegt worden sei, was im übertragenen Sinn auch für die Politik gelte.
(Der Spiegel, 30.11.1960)
Heinrich Lübke, 66, Bundespräsident, machte anläßlich des "Deutschland"-Stapellaufs auf der
Werft Nobiskrug in Rendsburg Gäste und Werftleute unfreiwillig zu Zeugen einer Schäkerei mit seiner Ehefrau Wilhelmine, die kurz vorher die
Tauf-Sektflasche geschleudert hatte. Lübke, der keine Ahnung hatte, daß die Lautsprecheranlage noch eingeschaltet war, bemerkte auf der
Taufkanzel: "Jetzt siehst du, was du angerichtet hast, jetzt ist das arme Schiff ins Wasser gefallen."
(Der Spiegel, 16.11.1960)
Heinrich Lübke, 65, Bundespräsident, geriet in Bonn während der "Großen Bahnhofs"
für Argentiniens Staatspräsidenten Arturo Frondizi in Protokollschwierigkeiten, als er beim Abschreiten der Bundeswehr-Ehrenformation
auch das angetretene Musikkorps einbeziehen wollte und seinen widerstrebenden Gast dieserhalb heimlich am Ärmel zupfte. Frondizi gab nich nach und
beschränkte sich – protokollgerecht – darauf, die Ehrenkompanie abzuschreiten.
(Der Spiegel, 6.7.1960)
Heinrich Lübke, 68, Bundespräsident, und Gattin Wilhelmine bedienten nacheinander auf dem Rücken des
Lübke-Staatssekretärs Hans-Heinrich Herwarth von Bittenfeld, 58, Autogrammjäger, die das Präsidentenpaar bei einem Besuch
der Ausstellung "Die Mauer" im Berliner Amerikahaus um Namenszüge gebeten hatten.
(Der Spiegel, 13.2.1963)
 
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