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Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte den Bundespräsidenten auf dem Kieker.
Spätestens ab 1967 findet sich in fast jeder Ausgabe unter der Rubrik "Personalien"
ein Beispiel für einen Lapsus Heinrich Lübkes. Hier nur einige davon:
Heinrich Lübke, 73, Bundespräsident, wurde vom Kegelklub "Bowling-
Devills" aus dem westfälischen Gronau gebeten, ein wohltätigen Zwecken gewidmetes
Weltrekord-Dauerkegeln (50 Stunden) zu eröffnen. Durch seinen Bundeswehr-
Verbindunsoffizier, Fregattenkapitän Herche, ließ der Präsident absagen. Schluß
des Herche-Briefs an die Kegler: "Als ich (Lübke) Ihr Anliegen vorgetragen hatte,
formulierte er abschließend diesen Vierzeiler, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
Für die Freude am Spaß
Mit der Uhr als Maß
Für den guten Zweck
Wünsche ich Ihnen Glück."
(Der Spiegel, 18.3.1967)
Heinrich Lübke, 72, Bundespräsident, besuchte am Montag letzter Woche, obwohl
er an einer Stirnhöhlenvereiterung litt ("Nach meiner Asienreise hat mich die frische,
rauhe Luft des Sauerlandes umgeschmissen"), das von 250 Jungen bewohnte Jugenddorf in
Dortmund-Oespel und besichtigte während seines Rundgangs auch Hobby-Arbeiten
der Dorf-Jugend. Lübke vor einem überlebensgroßen holzgeschnitzten Kopf:
"Wer hat denn den Dickkopf gemacht? Der kann sich sehen lassen." Der Präsident beim
Betrachten einer abstrakten Holzplastik: "Da weiß man ja gar nicht, in welcher Richtung
man das hinstellen muß. Wo hat denn der sein Gehirn?" Wenig später unterwies
Lübke die Jungen: "Jeder, der diese Dinge nicht in der Jugend übt, hat im Alter
seine Phantasie verloren."
(Der Spiegel, 10.4.1967)
Heinrich Lübke, 72, Bundespräsident, empfing am vorletzten Mittwoch in der Villa
Hammerschmidt 40 Parlamentarier aus zehn europäischen Ländern und den USA, die im Hotel
Petersberg an einer viertägigen Konferenz über Entwicklungshilfe-Probleme
teilnahmen. Als sich die Abgeordneten in der Galerie der Villa aufgestellt hatten, kam Lübke
herein, blieb neben dem Rednerpult stehen und gab die Tagesordnung bekannt: "Ich werde jetzt
zu Ihnen sprechen, dann können wir uns unterhalten und etwas trinken." Nach der Ansprache
begrüßte Lübke jeden Teilnehmer persönlich. Als ihm CSU-MdB Heinrich Aigner
aus Amberg vorgestellt wurde, sagte der Präsident unvermittelt: "Also aus Algier kommen
Sie. Das sieht man ja." Den nachfolgenden CDU-MdB Hans Edgar Jahn aus Braunschweig
fragte Lübke ebenso überraschend: "Ach, und Sie kommen aus Marokko?"
(Der Spiegel, 17.4.1967)
Heinrich Lübke, 72, Bundespräsident, besichtigte auf Einladung des baden-
württembergischen Ministers für Bundesangelegenheiten, Dr. Adalbert Seifriz, einen
Alten-Klub in Murrhardt (Schwäbischer Wald), den der Murrhardter Fabrikant Erich Schumm
gestiftet hat. Bei der Begrüßung redete Lübke den Unternehmer als "Herr
Murrhardt" an. Obwohl ihn seine Umgebung diskret und die Alten per Zuruf auf den Irrtum
aufmerksam machten, wiederholte Lübke die falsche Anrede noch dreimal. Als Schumm in seiner
Begrüßungsrede zu dem Satz ansetzte, er bedauere, daß Lübke hier sei und
nur so wenig Zeit für die Alten-Klub-Besichtigung habe, unterbrach ihn das
Staatsoberhaupt nach dem ersten Halbsatz: "Dann kann ich ja wieder gehen." Lübke
nach seinem Schumm-Besuch zum Abschied: "Das war sehr schön, Herr Murrhardt. Es
muß doch noch Leute geben, die das Beispiel von Herrn Murrhardt nachahmen."
(Der Spiegel, 15.5.1967)
Heinrich Lübke, 72, Bundespräsident, der am vergangenen Dienstag in seinem
Amtssitz Villa Hammerschmidt 62 amerikanische Austausch-Schüler empfing, plauderte
mit seinen Gästen über deren einjährigen Aufenthalt in der Bundesrepublik und
ermahnte die jungen Amerikaner, nach ihrer Rückkehr Vorurteile gegen Deutschland zu
bekämpfen: "Wenn man Ihnen sagt, wir hätten einen Hitler gehabt, dann müssen
Sie sagen, daß Hitler gar kein Deutscher war und daß er auch nicht normal war."
(Der Spiegel, 17.7.1967)
Heinrich Lübke, 73, Staatschef der Bundesrepublik, plauderte am vorletzten Freitag
während des Bundespresseballs mit ausgesuchten Verlegern und Chefredakteuren über seine
Amtskollegen. Der Präsident begann: "Ich will Ihnen da mal was erzählen von so einem
Ober... so einem Oberhaupt wie ich."
(Der Spiegel, 20.11.1967)
Heinrich Lübke, 73, enger Freund des 1963 von putschenden Militärs erschossenen
Präsidenten der westafrikanischen Republik Togo, Sylvanus Olympio, verschreckte während
seines Neujahrsempfangs den Botschafter des südafrikanischen Königreichs Lesotho,
Kotsokoane. Der Präsident zum Diplomaten: "Mein alter Freund Olympio ist ja von Ihrem
Präsidenten ums Leben gebracht worden." Der Botschafter fassungslos: "Nein, nein,
das kann nicht sein." Lübke beharrte auf seiner Meinung. Als Kotsokoane einwandte:
"Aber mein Präsident lebt doch", korrigierte der Bundespräsident: "Nein,
den Vorgänger meine ich." Daraufhin konterte der Botschafter: "Mein Präsident
hat noch keinen Vorgänger, wir sind doch erst vor eineinhalb Jahren unabhängig geworden."
Lübke wies den Einwand ab: "Ach was. Das sind doch alles nur Ausflüchte."
(Der Spiegel, 29.1.1968)
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