"Nach meiner Asienreise hat mich die frische, rauhe Luft des Sauerlandes umgeschmissen."
[Heinrich Lübke im April 1967]
Heinrich Lübke stammt aus Enkhausen im Hochsauerland (heute Ortsteil von Sundern).
Die 140 Einwohner des Ortes (15 Häuser) nannten ihn auf Plattdeutsch "Schaumäkers Heini" (sein Vater
war Schuhmacher).
Auch während seiner Bonner Zeit standen in seinem Elternhaus stets drei Zimmer für ihn
bereit. Selbstverständlich wurde Heinrich Lübke Ehrenbürger der Gemeinde und
Ehrenvorsitzender des Männergesangvereins "Eintracht". Auf seinen Wunsch hin hat Lübke
nach seinem Tod in Enkhausen auch seine letzte Ruhestätte gefunden. 1975 wurde auf Anregung von Wilhelmine Lübke
in der ehemaligen Volksschule in Enkhausen die
"Heinrich Lübke Gedächtnisstätte"
eingerichtet. Als Lübke 1959 Bundespräsident wurde, trat das Dorf für einen
kurzen Moment auf die Weltbühne und lernte "die Komparserie kennen mit Polizeieskorten,
Journalisten, Funk und Fernsehen". (Simon, S. 157)
Durch Heinrich Lübke lernte andersherum auch die Welt das Sauerland kennen. Theodor Sonnemann (langjähriger
Staatssekretär): "Durch ihn wurde ich mit dem so viel bespöttelten sauerländischen Humor bekannt, einer
verhaltenen, kauzigen Art der Heiterkeit." (zit. nach Neumann, S. 34)
Lübke redete oft vom Sauerland: "Ich rodle gern - schon von Jugend auf. Zu Hause im Sauerland hatte ich einst den
schnellsten Schlitten. Da machte mir so leicht keiner was vor." Gegenüber dem
britischen Botschafter in Bonn (1963-68) Frank Roberts gab Lübke zu bedenken, dass die
Sauerländer für ihre "hardness of their heads" bekannt seien.
Überhaupt musste sich für Lübke alles am Westfälischen messen lassen.
So bemerkte er am 6. Mai 1965 auf der Ausstellung "Finlandia" in Hamburg:
"Die Finnländer sind wirklich ... die könnten eigentlich Westfalen sein."
Lübke 1959 zu seiner Kandidatur zum Bundespräsidenten: "Ich komme vom kleinen Dorf im Sauerlande,
von kleinen Leuten. Und man hat mir an der Wiege nicht gesungen, dass ich Kandidat für den Bun.., Posten des
Bundespräsidenten sein sollte. Ich habe sehr frühzeitig für die Fragen der Agrarpolitik großes Interesse
gehabt und habe mich schon im Studium an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, in Bonn, an der Universität
Berlin und Münster damit beschäftigt."